Märkte in Wien – Schwerpunkt Brunnenmarkt
Einer der besten Wege eine Stadt kennen zu lernen ist, ihre Märkte zu besuchen. Märkte sind geradezu ein Destillat des Kulturencocktails einer Stadt. Hierhin geht man nicht nur einkaufen, sondern trifft Bekannte und Freunde, plaudert und genießt ein wenig. Märkte sind der beste Ort um einen Kurzurlaub zu machen, ohne dabei die Stadt zu verlassen. Die Mischung von orientalischen Gewürzen und Düften, das Sprachengewirr und das prächtige Farbenspiel der feilgebotenen Waren lassen die Herzen wahrer Hedonisten höher schlagen.
Spontan fragt man sich beim schlendern durch die Marktgassen, warum man die schnöden, sterilen Supermarkthallen diesen überquellenden lukullischen Füllhörnern länger vorziehen sollte. Längst sind aus den Märkten zum Teil auch Fixpunkte im Programm der Stadttouristen geworden. Märkte wie etwa der Münchner Viktualienmarkt oder der Marché d’Aligre in Paris, sind weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt und prägen den Charakter der Städte in denen sie oft schon über Jahrhunderte bestehen.
Da Wien zum Glück reich an Märkten ist, gibt es hier eine Menge zu entdecken, bei einem Besuch in Wien sollte man aber zumindest einmal den Naschmarkt gesehen haben. Und auch wenn der Naschmarkt längst etwas als Markt für Yuppies und Touristen verschrien ist, so lohnt sich ein Besuch hier trotzdem allemal. Den Naschmarkt macht vor allem die Vielfalt aus, von deftiger österreichischer Küche über japanische Sushi-Bars bis hin zum „Deli“ und dem „Naschmarkt do-an“, zwei Lokalen, die sich schon durch ihre moderne, leichte Architektur und schließlich auch durch innovative, urbane Küche vom normalen Marktleben abheben. Abgesehen von türkischen Spezialitäten, frischem Fisch und anderen Köstlichkeiten bieten Händler hier aber auch ein Sammelsurium verschiedenster Waren wie Ferngläsern, Wasserpfeifen, Uhren und so weiter an.
Der Naschmarkt wartet immer wieder mit Überraschungen auf und so vergisst man hier nur allzu leicht die Zeit und Alltagssorgen. Hungrigen ist zu empfehlen sich am Naschmarkt einen Leckerbissen zu holen und sich mitsamt diesem zum Szigeti-Sektcomptoir auf ein Gläschen Sekt zu begeben. Geschirr und Besteck liegen dort schon bereit. Ein Geheimtipp der bisher, zumindest was den Tourismus anbelangt, ein Schattendasein gefristet hat, ist der Brunnenmarkt. Er, sowie auch der direkt angrenzende Yppenmarkt, ist ein typischer Straßenmarkt. Der starke türkische Einfluss im Bezirk Ottakring ist hier deutlich zu spüren und verleiht dem Brunnenmarkt sein lockeres südländisch-orientalischen Flair.
Der Brunnenmarkt wirkt alles in allem um einiges bodenständiger und ehrlicher, er wird eben zum Glück noch nicht von Heerscharen fotografierwütiger Touristen überrannt, dementsprechend niedriger sind hier natürlich auch die Preise. Besonders interessant am Brunnen- und Yppenmarkt ist die stetig wachsende kulturschaffende und kulturinteressierte Szene, die sich in letzter Zeit um die beiden Märkte herum gebildet hat. Wen wundert es, sind doch die Immobilienpreise und Mieten hier im Vergleich zum Rest Wiens um einiges günstiger und mit dem längsten Straßenmarkt Wiens haben die Einwohner ein wahres Schlaraffenland direkt vor der Haustüre.
Man ist schon beinahe versucht diese Gegend das Soho Wiens zu nennen. Fast täglich gibt es hier etwas Neues zu sehen, doch liegen gerade die interessantesten Dinge auch hier unterhalb der Oberfläche, der Yppenplatz gibt sich nicht einfach dar, er will erobert werden. Ein weithin sichtbares Zeichen für die kulturelle Szene rund um den Yppenplatz sind die außergewöhnlichen Graffitis, die oftmals sozial- oder medienkritisch sind, aber stets zum Nachdenken anregen.
Oft sieht man Menschen die im raschen Schritt innehalten und neugierig betrachtend vor einer Häuserwand stehen. Die Bilder stammen von der in Sofia geborenen Künstlerin Mandarina Brausewetter, die seit 1990 in Wien lebt und unter anderem auch das Designlabel „ The Hot Dogs“ gegründet hat. Die Motive, die sie in ihrer Arbeit verwendet, egal ob auf Stoff oder Beton, sind oftmals verstörend, spielen mit Gegensätzen und deuten oft auf Missstände hin, bleiben dabei aber kryptisch und fordern den Betrachter zum Nachdenken auf.
Autor: RobWright
